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Aufführung im März 2009 Drucken E-Mail

Theater-AG überzeugte mit dem Drama
„Die geschlossene Gesellschaft“

Unter hell flackerndem, blitzartigem Licht und schriller Musik bereiten die Höllendiener einen geschlossenen Raum vor und ordnen in diesem unter hektischen Bewegungen 3 mal 3 Stühle an und besetzen diese nach einem „Spiel des Lebens“ jeweils mit drei Personen - der reichen Estelle, der Postangestellten Inès und dem Journalisten Garcin.

Garcin hat seine Frau misshandelt und in entscheidenden Situationen feige versagt. Die lesbische und hochintellektuelle Inès hat eine junge Frau (Florence) ihrem Cousin entfremdet, woraufhin er bei einem Unfall von einer Straßenbahn überfahren wird. Florence verzweifelt in Folge dessen zutiefst und vergiftet sich selbst und Inès mit Gas. Die sinnlich verführerische Estelle hat ihr Kind ermordet und ihren Geliebten in den Tod getrieben. Alle drei sind sich bewusst, dass sie sich in der Hölle befinden, und machen sich auf das Schlimmste gefasst, aber die erwartete Folter und die körperlichen Qualen stellen sich nicht ein, nur eine leichte Hitze ist zu verspüren.

Tastend versuchen sie voneinander den Grund für die Höllenfahrt zu erfahren, ohne jedoch ihre eigene Schuld zu offenbaren. Sehr bald entdecken sie, dass sie zu ihren eigenen Folterknechten bestimmt sind, indem sie sich gegenseitig die Lebenslügen entreißen. Ein kurzes Aufflackern von Solidarität erlischt unter der Angst und dem gegenseitigen Hass. Jeder ist verdammt dazu, die anderen beständig zu quälen und selbst von den anderen gequält zu werden. Die lesbische Inès verzehrt sich nach Estelle, die aber nichts von ihr wissen will und sich an Garcin heranmacht. Garcin wiederum lechzt nach der intellektuellen Anerkennung von Inès. So dürstet jeder nach der Hilfe eines der beiden anderen, aber sich diesem nähernd, verletzt er zugleich zutiefst den anderen. Sie können weder voneinander lassen, noch voreinander fliehen, nicht einmal töten können sie sich - sie sind bereits tot. Und so gilt auf ewig: „Die Hölle, das sind die anderen“.

Nacheinander proben alle den natürlich vergeblichen Ausbruch aus diesem Gefängnis, indem sie schreien oder an die Tür schlagen. Als dann plötzlich die Tür sich öffnet, erschrecken sie alle vor der vermeintlichen Falle der Freiheit und drängen sich wieder aneinander. Wenn Garcin am Ende die letzten Worte „also – machen wir weiter“ sagt, hat sich ihre Lage nicht verändert. Sie werden ihre Notgemeinschaft ewig aufrechterhalten müssen, ohne wirklich voranzukommen.

Die Mitwirkenden:

Die Bronzefiguren: Juliane Hendriks, Eva Hennecke

Die Höllendiener: Melinda Schmitz, Dustin Ripkens, Patrick Woltmann, Gerrit Woltmann

Estelle: Sandy Hood, Anneke Eberlei, Paulina Schmitz

Inès: Inga Fier, Lena Ulbrich, Eva Adler

Garcin: Davis Jacobs, Matthias Klupsch, Daniel Ixkes

Licht- und Tontechnik: Timon Jansen, Björn Peeters, Simon Koza, Felix Seidenfaden

Bühnengestaltung: Herr Karsch

Leitung: Frau Schulz

Presseartikel → Tönisvorst: "Die Hölle, das sind die anderen" (RP ONLINE, 26.03.2009)